GEMEINSCHAFTSPRAXIS in SCHÖFWEG

Allgemeinmedizin

Allergologie - Homöopathie - Naturheilverfahren - Psychotherapie - Psychoanalyse

Akademische Lehrpraxis der Technischen Universität München

Balintgruppe für Ärztinnen und Ärzte

Bei der durch Michael und Enid Balint nach dem Zweiten Weltkrieg in London entwickelten Balintarbeit geht es um die Verbindung von psychoanalytischem Wissen mit dem Wissen, das der behandelnde Arzt von seinem Patienten hat. Es geht um die Einsicht um vor- und unbewusste Anteile, die jeder Beziehung zugrunde liegen, und deren Kenntnis sich als hilfreich für Problem- und Konfliktbearbeitung erweist.
Teilnehmen kann jeder (und natürlich auch jede! Aus Gründen der Vereinfachung verzichte ich auf die jeweils entsprechende weibliche Form), der bereit ist, über seine Beziehung zu seinen Patienten nachzudenken und darüber zu sprechen. Jeder der schon erlebt hat (und wer hat das nicht?), daß er mit einem Patienten schlecht zurecht kam, kann von den Erfahrungen in der Balintarbeit für sich und seine Patienten gewinnen.
Balintgruppen haben in erster Linie die Aufgabe, die Arzt-Patient-Beziehung zu diagnostizieren (Beziehungsdiagnose) und dadurch den Arzt zu befähigen therapeutische Eingriffe vorzunehmen und alle klärenden „Interpretationen“ zu geben. Die Arzt-Patient-Beziehung ist aber auch ein wesentlicher Teil der Behandlung (Beziehungstherapie); „der Arzt als Arznei“.
In zunehmendem Maße erkennen wir, daß hinter vielen Krankheiten seelische Schwierigkeiten, Sorgen im Beruf und in der Familie stehen.
Als Antwort auf dieses Problem entstand die grundlegende Idee M. Balints:
Der Arzt soll sein eigenes Gefühlsleben im Umgang mit seinen Patienten als diagnostisches und therapeutisches Instrumentarium benutzen lernen.
Somit betrachtet er gezielter die Beschwerden seiner Patienten nicht nur als Ausfluss eines somatischen Leidens, sondern zugleich als (möglicherweise körperlichen) Ausdruck einer Konfliktsituation oder einer Anpassungsstörung.

Nachdem die Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser Fähigkeiten für die Tätigkeit als Arzt anerkannt wurde, ist Balintarbeit (meist als Teil der Kursweiterbildung in Psychosomatischer Grundversorgung) Inhalt der Richtlinien über den Inhalt der Weiterbildung gemäß § 4 der Weiterbildungsordnung für die Ärzte Bayerns geworden.
Für die Gebiete
Innere und Allgemeinmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie wird Balintarbeit (15 bis 35 Doppelstunden je nach Gebiet) gefordert.

Schließlich verlangt die Qualifikation „Psychosomatischen Grundversorgung“ (nach der Niederlassung als Vertragsarzt notwendig um bestimmte Gebührenordnungsziffern abrechnen zu dürfen),
neben psychosomatisch orientierter Krankheitslehre (20 Std.) und
Vermittlung und Einübung verbaler Interventionstechniken (30 Std.), (diese 50 Std. können z.B. im Rahmen eines Seminars, das ich zusammen mit einem Kollegen und einer psychologischen Psychotherapeutin anbiete belegen)
als dritten Baustein die Reflexion der Arzt-Patienten-Beziehung = Balintgruppe (30 Std.).

Meine eigene berufliche Erfahrungen:
Medizinstudium in München, Zeit als wehrpflichtiger Stabsarzt, Weiterbildung in der Fachklinik Bad Reichenhall und am Klinikum Deggendorf, Niederlassung als Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Landpraxis in Schöfweg 1987
haben mich bewogen seit 1989 in einer Balintgruppe mitzuarbeiten und von 1990 bis 1995 die Zusatzbezeichnung Psychotherapie (tiefenpsychologisch orientiert mit autogenem Training und klientenzentrierter Gesprächspsychotherapie nach Rogers als Zusatzverfahren) und von 1998 bis 2003 die Zusatzbezeichnung Psychoanalyse zu erwerben. Von Januar 1997 bis Dezember 1998 erfolgte meine Weiterbildung zum Balintgruppenleiter. Meine tägliche Arbeit kann ich mir nicht mehr ohne die in der Balintarbeit erfahrenen Kompetenz vorstellen.

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