Durch Zecken übertragene Krankheiten (Borreliose und Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)
Zecken, in Europa vor allem der gemeine Holzbock, können durch ihren Biss (neben ganz seltenen anderen Krankheiten, wie die Erlichiose)
die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis = FSME (Virus) und die Borreliose (durch verschiedene Bakterien, Borrelia burgdorferi und andere) übertragen.
Diese Borrelien finden sich in ca. einem Drittel aller Zecken in allen Wäldern der Deutschlands vor, während der FSME-Virus nur in gewissen umgrenzten Gebieten z.B. in unserer Region heimisch ist.
Die größte Aktivität zeigen die Tiere im Frühjahr und im Herbst. Die Zecken leben im Unterholz, sie besteigen keine Bäume. Beim Streifen eines Busches klettert das kleine Tier dann auf uns. Menschen werden (wie bei Mücken) unterschiedlich stark befallen (wohl abhängig vom Körpergeruch). Sie klettert auf uns herum bis sie einen Hautbezirk gefunden hat, der für den Anstich und das Blutsaugen günstig ist. Das Saugen selbst benötigt 2 bis 9 Tage.
Die Gefahr der Übertragung von Erregern nimmt mit der Dauer des Saugens zu. Deshalb ist es sehr wichtig, eine Zecke schnell (und zwar ohne Anwendung von Öl oder Leim, etc. – dies hätte nämlich ein Ausschütten des Zecken-Darminhalts und dadurch eine größere Gefahr der Übertragung von Erregern zur Folge!) zu entfernen. Am besten mit den Fingern oder einer Pinzette. Es ist zunächst nicht so wichtig, dass die ganze Zecke sofort entfernt wird; dies kann später immer noch in der Arztpraxis geschehen.
Die Borreliose ist auch in unserer Region häufiger als die FSME.
Sie ist medizinisch gesehen eine komplizierte Krankheit, da praktisch alle Organe erkranken können, wenn auch mit Vorliebe die Haut, die Gelenke, das Nervensystem, die Muskeln oder das Herz.
Diese Krankheit, die nur die wenigsten der gebissenen Menschen erleiden (unter einem Prozent) kann in verschiedenen Stufen (= Stadien) ablaufen:
Stadium I:
Lokalstadium: “Leider” bemerken nur 20% diesen Hautausschlag mit evtl. grippeartigen Beschwerden. In diesem Stadium ist nämlich die Borreliose praktisch sicher durch 20 Tage Einnehmen eines Antibiotikums heilbar. Wenige Tage bis 3 Wochen nach dem Biss erscheint dort eine ringartige Hautrötung, die gegen außen fortwächst und im Zentrum wieder abblasst. Nach Tagen bis Wochen verschwindet die Rötung spontan, nach Behandlung mit einem Antibiotikum in der Regel schon nach wenigen Tagen. Stadium II:
Gelangen die Erreger von der Haut ins Blut, dann können sie im ganzen Körper streuen. Es können diverse Krankheiten der Haut entstehen, dann auch der Gelenke, Muskeln und Bänder (Arthritis, Myositis), des Herzes (Karditis) und des Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis, Neuritis, Myelitis, Entzündung der Augen und des Innenohrs). Wenn im Stadium II rechtzeitig eine (längerdauernde, meist 4 Wochen lange) Therapie mit Antibiotika durchgeführt wird oder wenn die Krankheit spontan, d.h. ohne medizinische Hilfe heilt, entsteht an den Organen kein bleibender Schaden.
Stadium III:
Wenn im Stadium II nicht rechtzeitig eine Heilung zustande kommt, so können bleibende Organschäden entstehen, die dann trotz Therapie nicht mehr geheilt werden können. Es entstehen an den Gelenken z.B. Arthrosen oder an den Nerven chronische Funktionsstörungen. Ob ein Patient nun erst im Stadium II oder schon im III ist, wird erst der weitere Verlauf an den Tag bringen (Abklingen der Symptome oder eben nicht). Bei Gelenkentzündungen muß mit einer Heilungszeit von einem Jahr gerechnet werden! An einer Impfung gegen die Lyme-Borreliose wird weltweit intensiv gearbeitet.
Die FSME-Erkrankung macht sich nach 1–2 Wochen durch grippeartige Symptome bemerkbar und kann in seltenen Fällen in der Folge zu schweren neurologischen d.h. das Nervensystem betreffenden Ausfällen (bis zu Lähmungen) führen. Eine gegen den Virus gerichtete Therapie ist nicht möglich !
Da es aber eine relativ nebenwirkungsarme und sehr gut wirksame Impfung gegen diese Erkrankung gibt, sollten schwere Erkrankungsfälle der Vergangenheit angehören.
