Alkoholkrankheit und Co-Abhängigkeit
Über acht Millionen Menschen in Deutschland verbindet ein gemeinsames Schicksal:
Sie leiden unter dem Suchtproblem eines Menschen, der ihnen nahe steht – als Partnerin oder Partner, als Sohn oder Tochter, als Vater oder Mutter, als Arbeitskollege, als Schwager oder Schwägerin usw. Die Co-Abhängigkeit ist im Verein mit der Alkoholkrankheit das größte sozialmedizinische Problem unserer Gesellschaft.
Der Begriff „Co-Abhängigkeit“ wurde von den Betroffenen in den 70er-Jahren geprägt, ohne dass man den Urheber – vermutlich eine Frau – benennen könnte.
Die Co-Abhängigen waren froh, dass ihr komplexes Leiden endlich einen Namen hatte, der sie gleichzeitig mit Millionen anderer Familienmitglieder in aller Welt verband.
Sie waren also keine „Verrückten“ mehr – so fühlten sie sich oft – sondern Menschen, deren Leben auf magische Weise von anderen und deren Suchtmittelmissbrauch bestimmt wurde. Erst in den letzten Jahren realisiert man das Problem vor allen von Frauen mit abhängigen Partnern. Zunehmend gibt es aber auch in Deutschland (und in unserer Region) Hilfsangebote für diese bisher vernachlässigte Gruppe.
Vielleicht machen Sie den folgenden Test, um sich über Ihre persönliche Situation klarer zu werden?
1.Haben Sie schon häufiger zu Hause mit ihm/mit ihr getrunken, damit er/sie nicht in der Wirtschaft versackt?
2.Fühlen Sie sich stark, wenn der/die Abhängige sich schwach fühlt?
3.Werden Sie von der Verwandschaft/Nachbarn gelobt, weil Sie so tapfer sind?
4.Fühlen Sie sich zum Lügen und Decken von Unregelmäßigkeiten gezwungen, weil Sie Ihren Partner nicht ausliefern wollen?
5.Hängen Ihre Gefühle sehr stark von der Situation des Partners ab?
6.Kümmern Sie sich um alles, weil der Partner/die Partnerin es nicht mehr kann?
7.Haben Sie Angst, der/die Abhängige könnte aggressiv werden, wenn Sie mit ihm/ihr über Alkohol sprechen?
8.Vermeiden Sie es, mit anderen Leuten über das Trinkproblem Ihres Partners zu sprechen?
9.Haben Sie Ihrem Partner schon einmal mit Scheidung gedroht, weil er so viel trinkt?
10.Ärgern Sie sich, weil Ihr Partner Ihre Ermahnungen nicht ernst nimmt?
11.Wünschen Sie sich manchmal den Tod des Partners?
12.Haben Sie häufiger das Gefühl, dass Sie gegen den alkoholabhängigen Partner machtlos sind?
13.Haben Sie häufiger schon Drohungen, die Sie dem/der Betroffenen gegenüber ausgesprochen haben, nicht wahr gemacht oder vergessen?
14.Haben Sie das Gefühl, dass der Alkohol eine immer wichtigere Rolle in Ihrer Partnerschaft spielt?
15.Übernehmen Sie zunehmend Aufgaben, die eigentlich Ihr(e) Partner(in) noch ausführen könnte?
16.Nehmen die Trennungsgedanken zu oder feste Formen an?
17.Sind Sie in letzter Zeit häufiger deprimiert und verzweifelt, weil sich im Trinkverhalten des Partners/der Partnerin nichts ändert?
18.Sind Sie wegen psychosomatischer Beschwerden in ärztlicher Behandlung?
19.Wissen Sie manchmal nicht, woher Sie das Geld für den Haushalt nehmen sollen?
20.Wechseln Ihre Gefühle für den Partner/die Partnerin häufiger zwischen tiefem Hass und großer Liebe?
21.Haben Sie das Gefühl, dass Ihre(e) Partner(in) noch tiefer abrutscht, wenn Sie ihn/sie verlassen?
22.Wissen Sie nicht mehr, wie es weitergehen soll, weil Sie so verzweifelt sind?
Jede mit „Ja“ beantwortete Frage erhält einen Punkt.
Wenn Sie mehr als acht Punkte erreichen, sollten Sie das Gespräch mit ihrer/ihrem Hausärztin/Hausarzt, einer Suchtberatungsstelle, oder einer Selbsthilfegruppe suchen!!
Tun Sie etwas für sich, damit Sie wirklich helfen können.
Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel – für Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Gehirn- und Leberzellen.
Leider löst er keine Probleme.
