Erhöhtes Sturzrisiko im Alter
Menschen über 65 Jahre stürzen deutlich häufiger als jüngere Menschen. Ein Drittel dieser Senioren/innen stürzt mindestens einmal pro Jahr. Während jüngere Menschen in der Regel beim Sturz nach vorne fallen, stürzen ältere Menschen häufig seitlich mit schwerwiegenden und möglicherweise weitreichenden Folgen:
Jährlich erleiden in Deutschland etwa 120 000 Menschen Oberschenkelhals-frakturen, 63 000 Oberarmbrüche und 23 000 Beckenringfrakturen, von leichteren Verletzungen wie schmerzhaften Rippenprellungen, Platzwunden und Blutergüssen ganz zu schweigen. Vor allem Beckenringfrakturen haben ein hohes Todesfallrisiko, aber auch die Schenkelhalsfrakturen zwingen die Patienten in die Immobilität, gefährliche Thrombosen, Lungenembolien und andere Komplikationen treten gehäuft auf. Nicht selten verliert der/die Betroffene seine/ihre Mobilität und Selbständigkeit und wird dadurch pflegebedürftig, unter Umständen kann die Aufnahme in ein Pflegeheim nicht vermieden werden.
Warum stürzen ältere Menschen?
Etwa 10% der Stürze sind durch kurzzeitige Bewusstseinseinschränkungen wie Schwindel oder kurze Bewusstlosigkeit, z.B. bei Herzrhythmusstörungen ausgelöst.
Weitere 10% der Stürze werden durch äußere Ursachen ausgelöst (Unebenheiten auf der Straße, Stolpern über eine Schwelle, ein Hund, der die alte Dame umstößt).
Die meisten Stürze jedoch, nämlich 80-90%, ereignen sich bei den üblichen Alltagstätigkeiten, in der gewohnten Umgebung, ohne Fremdeinwirkung von außen und ohne Bewußtseinsverlust oder -veränderung und lassen den alten Menschen häufig zur Seite fallen.
In der Regel wissen ältere Menschen um ihre Einschränkungen. Sie spüren, daß ihre Kräfte nachlassen. Sie machen die Erfahrung, daß ihr Gang unsicher wird und entwickeln schon dadurch, also ohne vorangegangenen Sturz, eine Sturzangst, die dem jüngeren Menschen unbekannt ist. In der Folge verändert sich ihr Gangverhalten: Sie schauen beim Gehen nicht mehr geradeaus, um einen Fixpunkt zu erfassen, sondern richten ihren Blick nach unten auf die Straße, um ihre Füsse zu kontrollieren. Sie verlagern dadurch den Schwerpunkt nach vorne und in dieser Haltung bleibt ihnen wenig Raum, um sich beim Stolpern selbst aufzufangen. Außerdem verlieren sie so die wichtige optische Stützfunktion durch das Auge, da der Boden keinen Fixpunkt bietet. Die Sturzgefahr steigt zusätzlich.
Aus der wachsenden Sturzangst heraus ziehen sich alte Menschen oft zurück. Sie gehen weniger aus dem Haus, laufen seltener zu Fuß. Ihr Aktionsradius schränkt sich weiter ein, die körperliche Kraft läßt nach, Hobbies werden vernachlässigt, die sozialen Kontakte werden weniger, die Betroffenen leiden unter Einsamkeit.
Eine erhöhte Sturzhäufigkeit ist ein Anzeichen dafür, daß es einem Menschen körperlich und geistig schlechter geht. Wer sich lange genug wenig oder schlecht bewegt, wird zwangsläufig stürzen. Und wer mehrfach stürzt, dessen Risiko steigt, ins Pflegeheim oder Krankenhaus eingeliefert werden zu müssen.
Gibt es bestimmte Faktoren, die das Sturzrisiko im Alter erhöhen?
Das Sturzrisiko im Alter ist nicht bei jedem Menschen gleich, sondern hängt von bestimmten Sturzrisikofaktoren ab, die individuell gehäuft auftreten können:
Verminderte Muskelkraft der Beine
Verminderte Kontrolle des Gleichgewichtes
Verminderte Sehschärfe und/oder eingeschränktes Blickfeld
Verminderte Nervenempfindungsfähigkeit der Beine
Mehr als vier verordnete Medikamente wegen mehrerer gleichzeitig bestehenden Erkrankungen (z.B. Herzschwäche und Bluthochdruck und Zuckerkrankheit und Cholesterinerhöhung)
Störungen der Denkfähigkeit
Gibt es für Sie eine Möglichkeit, Ihr persönliches Sturzrisiko zu ermitteln?
Vor einem Jahr wurde eine spezielle Untersuchung das sogenannte „Sturzrisikoassessment“, zusammen mit einem „Hirncheck“ und einer Einschätzung der Alltagsfähigkeiten in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen, die Ihr Hausarzt/ärztin durchführen kann.
Fragen Sie Ihren Hausarzt, Ihre Hausärztin nach dieser Untersuchung!
Was können Sie für sich tun, um folgenschweren Stürzen vorzubeugen?
Fühlen Sie sich noch jung und fit, dann erhalten Sie sich diesen Zustand so lange wie möglich durch regelmäßiges Training der Kondition, der Koordination und der Balance: durch Sport, Gleichgewichtsübungen, Tanzen, Tai Chi, Chi Gong, etc. Gerade die letztgenannten Freizeitbeschäftigungen machen ausgesprochen Spaß, haben positive Auswirkungen auf körperliches und seelisches Wohlbefinden und können gefahrlos bis ins hohe Alter ausgeübt werden.
Aber auch bereits nachlassende Körperkraft und eingeschränkte koordinative Fähigkeiten können durch abgestimmtes regelmäßiges Training deutlich verbessert werden, und dafür ist es nie zu spät.
Wo gibt es in der Region Sonnenwald solch ein Training?
Wir von „projekt anders leben“ bieten Ihnen ab Mai diesen Jahres in Schöfweg erstmals eine Übungsgruppe an, in der ältere Menschen gezielt Gleichgewicht, Muskelkraft, Reaktion und Koordination trainieren können. In mehreren Übungseinheiten werden hier Senioren/innen von einer Diplomsportlehrerin mit weitreichender Erfahrung im Rehabilitationssport einfache, abwechslungsreiche Übungen erlernen, mit denen Sie auch zuhause durch tägliches Üben Stürzen vorbeugen zu können.
Nützen Sie die Gelegenheit, verringern Sie Ihr Sturzrisiko!
