Die lästigen Pfunde – Schönheitsfehler oder Gefährdung?
Was empfinden Sie, wenn Sie sich morgens auf die Waage im Badezimmer stellen?
Sind Sie mit sich und Ihrem Körpergewicht (und damit mit Ihrer Figur) zufrieden und glücklich oder stellen Sie eine zunehmende Unzufriedenheit mit Ihrem Gewicht fest, sind Sie etwa gar unglücklich darüber oder vermeiden Sie sogar die regelmäßige Gewichtskontrolle, um den unangenehmen Gefühlen, die mit dem Blick auf den „Kontostand“ der Pfunde verbunden sind, aus dem Weg zu gehen?
Ob man mit sich und seiner Figur zufrieden ist, hängt in großem Maße von dem Schönheitsideal ab, das man für sich verinnerlicht hat und das sich im Laufe der Zeiten ständig wandelt:
Galten in früheren Jahrhunderten üppige Formen als besonders schön und erstrebenswert (denken Sie z.B. an die Gemälde von Rubens), so werden uns heutzutage von der Mode immer schlankere bis hin zu magersüchtig aussehenden Models als Vorbild hingestellt.
Mit Gesundheit hat dies nichts mehr zu tun!
Trotz dieser Vorbilder sind nach Meinung von Medizinern und Ernährungsexperten etwa 40% der Bevölkerung übergewichtig, jeder Sechste ist sogar adipös, also krankhaft fettleibig – mit steigender Tendenz.
Besonders erschreckend ist, daß die Adipositas (= krankhafte Fettleibigkeit) auch bei den Kindern und Jugendlichen ständig zunimmt.
Übergewicht und Adipositas sind Begriffe die häufig im Austausch gegeneinander verwendet werden. Übergewicht bezieht sich zunächst wertfrei auf eine erhöhte Körpermasse, die alle Gewebe (Fett, Knochen, Muskeln…) einschließt. Adipositas hingegen meint im Speziellen einen Überschuß an Körperfett.
In der Praxis gilt, daß übergewichtige Menschen meist auch adipös sind, obwohl es Ausnahmen geben kann (Bodybuilder). Der Grad der Adipositas (also der Körperfettmenge) kann mit verschiedenen Methoden geschätzt und gemessen werden, am einfachsten und gebräuchlichsten ist der sogenannte Body Mass Index (BMI, Körpermassenindex), der aus Körpergröße und –gewicht berechnet wird, es gibt aber auch Körperwaagen, die mit einer speziellen Methode (bioelektrische Impedanzanalyse) messen, wieviel Prozent des Gewichts aus Fett besteht.
Normalgewichtige Menschen haben einen Body Mass Index von 20-24.5,
von Übergewicht spricht man bei einem BMI von 25-29.9,
von Adipositas bei einem BMI von 30-39.9;
bei einem BMI von über 40 besteht eine extreme Adipositas.
Was ist denn so schlimm daran, adipös zu sein?
Adipositas (also ein BMI über 30) gilt als Krankheit, die behandelt werden muss.
Sie bekommt ihren Krankheitswert durch die Vielzahl von Folgeerkrankungen, die durch Adipositas bedingt oder mitbedingt werden:
Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie
Hochdruck,
erhöhte Blutfette (Cholesterin),
Diabetes mellitus
(die Kombination dieser 3 Erkrankungen nennt man metabolisches Syndrom),
und in deren Folge Herzinfarkt und Schlaganfall.
Auch abnutzungsbedingte Gelenkerkrankungen (Arthrose), Gallenerkrankungen, Atem- und Schlafstörungen (Schlaf-Apnoe-Syndrom), Venenleiden und bestimmte Krebserkrankungen sind mit Adipositas verbunden.
Das bedrohlichste ist aber die Zunahme der Zuckerkrankheit:
Das Risiko für einen Diabetes mellitus versechsfacht sich bei einem Anstieg des BMI von 23 – 24,9 auf mehr als 29! Die Folge ist eine erschreckende Zunahme von immer jünger werdenden Erwachsenen, die an Diabetes mellitus Typ II erkranken. Sprach man früher bei dieser Erkrankung vom „Alterszucker“, so findet man diese Form des Diabetes heute schon bei 30-jährigen und vielen 40-jährigen übergewichtigen Menschen. Die Folgen für die zukünftige Gesellschaft, vom persönlichen Schicksal gar nicht zu sprechen, sind nicht abzusehen, die Kosten für das Gesundheitssystem werden nicht bezahlbar sein.
Wie entsteht Adipositas?
Es gibt verschiedene Ursachen, manche sind beeinflußbar, andere nicht.
Zu den nicht änderbaren Vorraussetzungen zählt die Vererbung: Jüngste amerikanische Untersuchungen machten genetische Ursachen für die Veranlagung zur Adipositas wahrscheinlich. Ebenso wenig änderbar ist das biologische Alter: im Alter geht der Grundumsatz zurück, der Körper verbrennt weniger Energie wie in jungen Jahren.
Die wichtigsten Faktoren sind jedoch sehr wohl steuerbar durch eine Änderung der Lebensweise: Beschränkung der Energiezufuhr durch Änderung der Ernährungsgewohnheiten (weniger Fett, weniger Zucker, weniger Alkohol) und mehr körperliche Bewegung. Mit bestimmten modernen Medikamenten kann die Gewichtsabnahme noch erleichtert und unterstützt werden.
Trotz erblicher Veranlagung muß man nicht übergewichtig werden! Entscheidend sind dafür die Ess- und Bewegungsgewohnheiten.
Sie können also Ihr Schicksal selbst gestalten.
Viele Hausärzte bieten inzwischen für ihre Patienten Kurse zur Gewichtsreduktion an, in denen das nötige Wissen und Strategien vermittelt werden, um sich eine gesunde und genußreiche Lebensweise zu ermöglichen, ein erhöhtes Körpergewicht langfristig zu reduzieren und den erreichten Erfolg sicher zu erhalten.
